Dieses Blog durchsuchen

Donnerstag, 24. Dezember 2015

C. F. Meyer: Fingerhütchen (1864) - kurze Analyse


Liebe Kinder, wißt ihr, wo ...
Text:

Wir hören einem allwissenden Erzähler zu (s. 3. Str.: Solches ist die Wahrheit nicht), wie er Kindern eine Sage erzählt. Es geht um einen kleinen verwachsenen Mann, den man seines Hutschmucks wegen „Fingerhütchen“ nennt. Er ist ein Außenseiter – man sagt ihm allerlei nach (2. Str.). Das bedeutsame Geschehen besteht darin, dass er den Elfen hilft, ihrem unfertigen Gesang einen weiteren Vers hinzuzufügen (7. Str.). Zum Dank nehmen die Elfen ihm den Buckel weg (10. Str.), was er freudig begrüßt.
Die Form des Sprechens ist in allen Strophen gleich: Zuerst vier Verse im Kreuzreim, und zwar in der Abfolge vier / drei Trochäen, so dass praktisch zwei Langverse entstehen, nach denen jeweils eine Pause auftritt. Es folgen, auch grafisch abgesetzt, zwei Verse zu vier Trochäen im Paarreim. Die letzten vier Verse gleichen den ersten vier Versen der Strophe. Insgesamt ergibt das ein bewegtes Sprechen, das sich munter über die 14 Strophen hinzieht.
Als Thema könnte man formulieren: Wie ein guter Mensch dafür belohnt wurde, dass er ohne Hintergedanken (V. 57-60) den Elfen in ihrer künstlerischen Not geholfen hat. – C. F. Meyer hat offenbar ein irisches Elfenmärchen bearbeitet und ins Tal des fiktiven Ortes „Acherlo“ verlegt.

Keine Kommentare:

Kommentar posten