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Freitag, 18. Januar 2019

Carl Schurz: Lebenserinnerungen, Bd. 1 (1906) - Besprechung


An seine Freunde“ hat Carl Schurz am 24. Juli 1849 einen Brief (https://archive.org/details/lebenserinnerung03schuuoft/page/48, dort S. 49-52) geschrieben, der mich stark beeindruckt hat: Am Tag der Übergabe der von den Aufständischen gehaltenen Festung Rastatt: „Tod oder endlose Gefangenschaft“ stehen ihm offenbar bevor, als er sich Rechenschaft über sein Leben und Tun gibt.
Aufgrund dieses Briefes habe ich mich entschlossen, Carl Schurz‘ Lebenserinnerungen zu lesen, die er kurz vor seinem Tod veröffentlicht hat. Im ersten Band (1906, https://archive.org/details/lebenserinnerung11schu/page/n7) erzählt er von seiner Kindheit in Lieblar bei Köln, seiner Schulzeit, dem Beginn des Studiums in Bonn und seinen Aktivitäten in der deutschen Revolution 1848/49. Dabei spart er nicht mit nüchternen Beurteilungen der revolutionären Hoffnungen und Illusionen seiner Jugend und seiner damaligen Freunde. Einen großen Teil seiner Erinnerungen nimmt die Befreiung seines Freundes, des Professors Kinkel, aus der Festung Spandau ein; es folgen die Aufenthalte in Paris und London im Exil, bis er 1852 mit seiner frisch angetrauten Frau nach Amerika fährt.
Schurz erzählt anschaulich und interessant; er zeigt sich als ein energischer und engagierter Kämpfer und als großherziger Freund. Er weiß, dass das eigene Gedächtnis einen trügen kann, und hat sich deshalb auch der Erinnerungen anderer und neutraler Quellen bedient, um die alte Zeit noch einmal lebendig werden zu lassen. Man weiß von der deutschen Revolution 1848/49 normalerweise nicht viel: Schurz‘ Erinnerungen führen einen aus einer natürlich begrenzten Perspektive in diese Zeit ein, und da Schurz später amerikanischer Botschafter und sogar Innenminister wurde, darf man ihm ein kompetentes Urteil darüber zutrauen, was er als junger Mann erlebt hat. Ich habe den ersten Band seiner Erinnerungen mit großer Freude gelesen.

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