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Montag, 2. September 2019

A. Stifter: Der Nachsommer - gelesen

Ich habe mich durch die alte Ausgabe des Insel-Verlags, die es auf archive.org zu lesen gibt, hindurchgekämpft, bis zum happy end, bis auf S. 782 – allerdings habe ich ein paar hundert Seiten sehr kursorisch „gelesen“. Das Buch ist im besten Sinne langweilig; abgesehen von Spaziergängen, autodidaktischen Kunstbemühungen des Ich-Erzählers, Restauration von Kunstwerken, Gesprächen über Kunst und geologischen Forschungen geschieht nicht viel, bis etwa nach 500 Seiten die Liebesgeschichte Heinrich Derndorfs, des Ich-Erzählers, dessen Name erstmals auf S. 738 fällt, Fahrt aufnimmt und sein väterlicher Freund, Freiherr Gustav von Risach, seine Lebensgeschichte erzählt – seine verhinderte Liebe zu Mathilde, die erst im Alter eine gewisse Erfüllung findet, also einen Nachsommer erfährt, ohne einen Sommer gehabt zu haben.
Der Ich-Erzähler blickt vom Ende des Geschehens her auf seine Lebensgeschichte zurück. Der Roman ist einmal ein Roman der Bildung Heinrichs, der zuerst nur ein Naturwissenschaftler war und sich vor allem durch geologische Studien und Kunst (rezeptiv und autodidaktisch produktiv), durch Wanderungen, durch Umgang in gehobenen Kreisen, durch Gespräche und eine große Reise bildet (und nicht zu arbeiten braucht, da er durch Vaters Geld abgesichert ist, auch auf verschiedenen Gutshöfen wochenlang kostenlos leben kann); es ist ferner ein Roman der verhinderten (Gustav – Mathilde) und der gelingenden Liebe (Heinrich – Natalie, Mathildes Tochter), die so keusch ist, dass selbst der heilige Aloysius dagegen als ein Wüstling erscheint – das einzige Mädchen, das es Heinrich vor Natalie angetan hat, ist eine Marmorstatue. Ich habe den Roman als Exemplar eines Bildungsromans gelesen – einmal und nie wieder!

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