Dieses Blog durchsuchen

Montag, 16. September 2019

F. Douglass: Sklaverei und Freiheit (1860) - gelesen

Von einem eindrucksvollen Buch ist zu sprechen, von
Frederick Douglass: Sklaverei und Freiheit. Autobiographie, 1855, deutsch 1860. Der Autor wurde 1817 als Sklave geboren, lebte als Kind bei seiner Oma, wurde dann als Aufpasser für einen weißen Jungen beschäftigt und schließlich von mehreren Sklavenaufsehern und Herren als Sklave schikaniert, ausgebeutet und misshandelt, bis ein erster Fluchtplan verraten wurde. Er hatte lesen und schreiben gelernt (großenteils heimlich) und einmal sich gegen den Übergriff eines Aufsehers körperlich gewehrt, was ihm großes Selbstvertrauen, eine größere innere Freiheit und damit auch die Fähigkeit nachzudenken bescherte. Wie seine Flucht nach New York 1838 gelang, verschweigt Douglass, um nicht anderen Leidensgenossen diesen Fluchtweg zu verbauen.
Der Autor erzählt nicht nur anschaulich von seinen Erlebnissen als Sklave, sondern reflektiert auch die Bedingungen der Sklaverei. Eindrucksvoll sind seine Überlegungen, ob Sklavenhalter schlechtere Menschen als andere sind: Es sei das System, das sie zu Unmenschlichkeit und Schinderei ermächtige; unter zivilen Umständen wären sie vermutlich ganz biedere Bürger – ein Gedanke, den man als Deutscher leicht mit den Untaten der Nazis in Verbindung bringt.
Nach seiner Flucht arbeitete er einige Jahre in New York und heiratete; er engagierte sich als Redner im Kampf gegen die Sklaverei und fuhr, um der Verfolgung durch Sklavenjäger zu entgehen, für einige Jahre nach England, wo er gleichfalls für das Ende der Sklaverei eintrat. Dort sammelten Freunde dann Geld, um ihn regelrecht loszukaufen, damit sein Status als freier Mann gesichert sei. Nach seiner Rückkehr in die USA gründete er gegen den Rat seiner Freunde eine eigene Zeitung, in der er seine Ideen verbreiten konnte.
Douglass hat ein kluges Buch geschrieben, das auch zum Nachdenken über die Situation und die Erfahrungen derer anregt, die vor unmenschlichen „Lebensbedingungen“ im 21. Jahrhundert fliehen. Man muss leider nur Frakturschrift lesen können, um in den Genuss des Buches zu kommen: Wäre es kein Lebensbericht, wäre es ein Bildungsroman.

Keine Kommentare:

Kommentar posten