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Dienstag, 15. Oktober 2019

Mark Jones: Am Anfang war Gewalt (2017) - gelesen


Mark Jones hat in seinem Buch die Spirale der Gewalt gezeichnet, die nach der relativ friedlichen Revolution im November 1918 zu immer schrecklicheren Morden in Deutschland führte; er sieht die Schuld weitgehend bei der SPD-Regierung, speziell bei Gustav Noske, die mit übertriebener Härte auf Gerüchte und Ängste vor einem kommunistischen Umsturz reagiert habe. Methodisch bezieht er sich dabei auf Georges Lefebvre, der mit diesem Ansatz die Revolution von 1789 untersucht hatte. Die von der Regierung gedeckte Brutalität sei eine der Ursachen für die Hemmungslosigkeit gewesen, die sich dann im Dritten Reich entfaltet habe.
Das Buch ist gut lesbar, da Jones immer wieder auf akribisch untersuchte Einzelfälle von Gewaltausübung zurückgreift; darüber treten die großen Linien der Revolution 1918/19 und ihre Einbettung in die Kriegs- und Nachkriegspolitik zurück. - Es gibt eine Reihe vorzüglicher Rezensionen (s. unten), mit deren Verfassern ich nicht mithalten kann. Was ich persönlich vermisst habe, sind Überlegungen zur Frage, wie eine Revolution ohne Gewalt auskommen könnte. Wie verengt der Blickwinkel des Autors ist, sieht man, wenn man bloß die Einführung in Ian Kershaws Buch Höllensturz. Europa 1914 bis 1949, 2016, liest.

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